Region Basel / Themen 2005
  
 

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Der neue
Lohnausweis

Franziska Buholzer
lic.rer.pol
Assistant Manager
Tax and Legal Services
Deloitte & Touche AG

E-Mail:
fbuholzer@deloitte.com

 

 

    

  Abzugsfähigkeit der Aus- und Weiterbildung  
 


Der neue Lohnausweis kommt. Was bedeutet dies für Arbeitnehmer insbesondere in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung? Wie können diese Kosten steuerlich geltend gemacht werden? Anhand praktischer Beispiele werden die Konsequenzen aufgezeigt und Tipps für die Praxis entwickelt.

 
 
 

Der neue Lohnausweis soll auf den 1. Januar 2006 eingeführt werden. Nachdem sich viele Stellen vehement gegen die Einführung des neuen Formulars mit den veränderten Bestimmungen gewehrt haben, wurde im November 2004 unter der Vermittlung von Bundesrat Hans-Rudolf Merz eine Einigung erzielt. Nun liegt eine verhältnismässige und praktikable Lösung vor.  

Magische Grenze bei 12'000 Franken

Die Bestimmungen zum neuen Lohnausweis sehen zur Bildung folgende Regelungen vor:  

  • Unkostenbeiträge des Arbeitgebers an Bildungsmassnahmen des Arbeitnehmers, die an Dritte (z.B. an ein Ausbildungsinstitut) geleistet werden, sind bis zu einem Betrag von 12'000 Franken pro Steuerjahr und Ausbildung nicht auf dem Lohnausweis aufzuführen.
  • Übersteigen die Leistungen des Arbeitgebers an Dritte den Betrag von 12'000 Franken oder erfolgt die Ausrichtung direkt an den Arbeitnehmer, besteht eine Deklarationspflicht auf dem Lohnausweis. Soweit die diesbezüglichen Auslagen Weiterbildungskosten darstellen, steht dem Arbeitnehmer allerdings der Steuerabzug zu.
  • Vergütungen an Dritte für typisch berufsbegleitende Weiterbildungen (z. B. Computer-Benutzerkurse, Kurse zum richtigen Telefonieren, Sprachkurse) sowie Kosten für mehrtätige Seminarien sind nicht aufzuführen.

Blick in die Praxis

Die Bedeutung der Regeln soll anhand einiger Beispiele aufgezeigt werden. 

Der Maler Lukas möchte gerne die Meisterprüfung ablegen. Sein Arbeitgeber unterstützt diese Weiterbildung und übernimmt die gesamten Kosten von 10'000 Franken. Die Rechnung wird direkt an die Firma geschickt. Da der Kurs die Grenze von 12'000 Franken pro Jahr nicht übersteigt, muss auf dem neuen Lohnausweis von Lukas nichts vermerkt werden.

Gleichzeitig besucht Lukas auch einen Kurs zum Rechnungswesen, weil er sich darin nicht so sattelfest fühlt, diesen Bereich aber später in der Firma betreuen soll. Lukas meldet sich bei der Schule direkt an und erhält die Rechnung nach Hause geschickt. Sein Arbeitgeber möchte auch diesen Einsatz belohnen und bezahlt Lukas die Hälfte der Kurskosten von insgesamt 6'000 Franken gegen Vorlage der Rechnung zurück. Da hier Geld vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer fliesst, muss die Rückvergütung und die Art des Kurses auf dem neuen Lohnausweis deklariert werden. Lukas sollte die Kosten in der Steuererklärung geltend machen. Die Veranlagungsbehörden werden aber entscheiden, ob es sich um Aus- oder Weiterbildungskosten handelt.

Rita arbeitet seit mehreren Jahren als Sekretärin für Herrn F, welcher drei Restaurants besitzt. Rita möchte in naher Zukunft ein eigenes Restaurant eröffnen. Deshalb bezieht sie einen längeren Urlaub und belegt in dieser Zeit den 4-wöchigen Wirtekurs. Die Kosten von rund 4'000 Franken trägt sie selbst. Da der Arbeitgeber nichts an die Kurskosten beiträgt, muss auch kein Vermerk im neuen Lohnausweis angebracht werden. Der Kurs wird steuerlich als Ausbildung (Zweitausbildung, Berufwechsel) betrachtet, weshalb die Auslagen nicht abzugsfähig sind.  

Erika arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer grösseren Immobilienfirma. Der Arbeitgeber ermöglicht allen Mitarbeitern den Besuch eines internen Kurses zum Thema „Werkvertrag mit Hausabwart“ und lädt dazu einen externen Referenten ein.  Für diesen Kurs muss kein Vermerk auf dem Lohnausweis aufgeführt werden.  

Erika entschliesst sich, die Ausbildung zur eidgenössisch diplomierten Immobilien-Treuhänderin in Angriff zu nehmen. Da sie diesen Lehrgang auf Wunsch ihres Arbeitgebers besucht, übernimmt die Firma die gesamten Kosten von 8'950 Franken. Erika meldet sich bei der Schule direkt an, die Rechnung erhält jedoch die Firma.  Die Übernahme dieser Kurskosten muss nicht auf dem neuen Lohnausweis deklariert werden, da die Grenze von 12'000 Franken nicht überschritten ist. Erika kann diese Weiterbildung steuerlich nicht geltend machen, weil sie selbst keine Auslagen hatte.

Nun musste sich Erika gegenüber ihrem Arbeitgeber verpflichten, nach Abschluss des Lehrganges noch drei Jahre für die Firma zu arbeiten. Nach zwei Jahren aber kündigt sie die Stelle. Erika muss ihrem Arbeitgeber  einen Drittel der Kurskosten zurückzahlen. Im Lohnausweis des betreffenden Jahres muss nichts vermerkt werden. Sie sollte aber in der entsprechenden Steuererklärung (Fälligkeit der Rückzahlung) den Abzug für Weiterbildung geltend machen.  

Schliesslich bleibt eine Veränderung zum alten Lohnausweis zu erwähnen: die Beiträge an die Aus- und Weiterbildung sind – sofern die Grenze von 12'000 Franken überschritten ist – lediglich unter Ziffer 13.3 zu deklarieren, nicht aber im Bruttolohn aufzuführen.  Unter den alten Bestimmungen waren sämtliche Beiträge als Bestandteil des Bruttolohnes aufzurechnen.