Region Basel / Themen 2006
  
 

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Vorsorge



Roland Stoffel
BDO Visura, Basel
Mitglied der Treuhand-Kammer

roland.stoffel@bdo.ch

 

 

    

  Altersvorsorge für selbständig Erwerbende

Zweite kontra dritte Säule

Selbständig Erwerbende können zwischen der beruflichen Vorsorge (2. Säule) oder der privaten Vorsorge (Säule 3a) wählen. Die beiden Formen unterscheiden sich grundlegend. Steuerliche Überlegungen sprechen für die 2. Säule, aber diese bilden nicht das einzige Kriterium.
 

 
 

Wer als selbständig Erwerbender keiner Pensionskasse angehört, hat in der privaten, gebundenen Vorsorge (Säule 3a) die Möglichkeit, in beträchtlichem Umfang ein steuerbegünstigtes Vorsorgekapital anzusparen.Die jährliche Obergrenze liegt heute bei 20 Prozent des selbständigen Erwerbseinkommens oder maximal 30'960 Franken. Steuerbegünstigt bedeutet, dass die gesamten Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden können. Die Sparbeiträge können mit einer Risiko- Versicherung gekoppelt werden. Wer in einer Pensionskasse versichert ist, darf hingegen neben den ordentlichen Pensionskassenbeiträgen pro Jahr höchstens 6192 Franken in die Säule 3a einbezahlen.

 

Selbständig Erwerbende haben alternativ die Möglichkeit, sich unter gewissen Bedingungen freiwillig einer Vorsorgeeinrichtung der Säule 2 anzuschliessen. Zwischen den beiden Varianten bestehen die folgenden wesentlichen Unterschiede.

 

Vergleich von 2. und 3. Säule

 

Einkauf

  • In der 2. Säule sind Einkäufe von Beitragsjahren möglich. Tiefere Einkommen in der Vergangenheit bzw. zu Beginn der Erwerbstätigkeit können also durch Einkäufe ausgeglichen werden.

  • In der Säule 3a können nur die aufgrund des aktuellen selbständigen Erwerbseinkommens berechneten Beträge einbezahlt werden. Ein nachträglicher Einkauf bei einem verbesserten Geschäftsgang ist nicht mehr möglich.

 

Risikoversicherung

Die Risikoversicherungsbeiträge, welche in der Säule 3a geleistet werden können, schmälern den Sparanteil, da die Einzahlungsbegrenzung immer gleich bleibt. Eine gute Risikoversicherung bedeutet deshalb automatisch eine schlechtere Altersleistung, welche häufig mit einer zusätzlichen Versicherung, welche nicht vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden kann, ausgeglichen werden muss. Demgegenüber sind die Risikobeiträge bei der 2. Säule in den Beiträgen bereits enthalten.

 

Arbeitgeberanteil

2. Säule und AHV-Berechnung Der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen (Spar- und Risikobeitrag) des selbständig Erwerbenden an die 2. Säule bildet Geschäftsaufwand der Gesellschaft und mindert damit gemäss der aktuellen Praxis den Gewinn aus selbständiger Erwerbstätigkeit, welcher Berechnungsgrundlage für die AHVBeiträge bildet. Daraus ergibt sich eine Einsparung bei den Sozialversicherungsabgaben. Die Beiträge an die 3. Säule sind, obwohl diese den gleichen Zweck wie die 2. Säule verfolgen, AHV-rechtlich nicht zum Abzug zugelassen.

 

Maximaler Sparbetrag

  • Der maximale Sparbeitrag, welcher in die 2. Säule einbezahlt werden kann, ist wesentlich höher als die Berenzungen in der Säule 3a. In der 2. Säule kann ein maximaler Lohn von 774'000 Franken versichert werden. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der versicherte Lohn den tatsächlichen Verhältnissen zu entsprechen hat.

  • Zusätzlich zu den ordentlichen Beiträgen an die Säule 2 können jährlich steuerbegünstigt Beiträge an die kleine Säule 3a von maximal 6'192 Franken geleistet werden.

  • Zur Zeit ist die Verzinsung der Guthaben in der Säule 2 interessanter als in der Säule 3a. Dies kann sich allerdings auch wieder ändern.

 

Fazit

Selbständig Erwerbende mit einem hohen Erwerbseinkommen, welche auch über genügend Liquidität verfügen, um Einkäufe zu tätigen und hohe Sparbeiträge zu leisten, sind aus steuerlicher Betrachtung mit der 2. Säule besser beraten als mit der grossen Säule 3a. Die in der Praxis häufig anzutreffende Situation einer Säule 3a Vorsorgelösung gekoppelt mit Lebensversicherungen und zusätzlichen Risikoversicherungen dürfte nur in Zeiten von hohen Versicherungsüberschüssen interessant sein, denn der versäumte Steuervorteil wiegt schwer.

 

Bei einem Entscheid für eine der beiden Lösungen sollten jedoch nicht nur die steuerlichen Vor- und Nachteile in Betracht gezogen werden. Es kann sein, dass jemand die etwas grössere Flexibilität einer Säule 3a bei einer Bank vorzieht und sein dort angespartes Geld in zweckgebundenen Fonds anlegt, welche bei gutem Börsengang eine hohe Rendite abwerfen können. Eine genaue Analyse der jeweiligen Situation durch einen unabhängigen Berater lohnt in jedem Fall. Das Spar- respektive das Optimierungspotential ist aufgrund der zumeist sehr hohen Vorsorgeguthaben ganz erheblich.