Region Basel / Themen 2010
  
 

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Melchior Maurer



lic. iur. / dipl.
Wirtschaftsprüfer
Zugelassener Revisionsexperte
Copartner Revision AG, Basel
Mitglied der Treuhand-Kammer
Email: melchior.maurer@copartner.ch
 

 

 

    

 

Zum Umgang mit Risiken oder

Droht wieder Asche vom Eyjafjallajökull?

 
 


Wir Menschen neigen dazu, Gedanken an Risiken zu verdrängen. Aber sowohl im privaten wie im geschäftlichen Bereich macht es Sinn, sich hin und wieder Gedanken über mögliche Gefahren zu machen und allenfalls Massnahmen zur Absicherung zu ergreifen.

Lassen wir vorerst die Launen des isländischen Vulkans und deren Folgen für die Luftfahrt und tauchen etwas in den Alltag des Ehepaars Sorgsam ein, das zwei schulpflichtige Kinder hat und gemeinsam ein Malergeschäft in Basel betreibt. Erwischt Frau Sorgsam ihre kleine Tochter beim Velofahren ohne Helm, kommen bei ihr Ängste wegen Verletzungen auf. Später fragt sie sich, wie es im Geschäft weitergehen würde, wenn sie ihren Mann nicht mehr unterstützen könnte, weil sie ausschliesslich für die Kinder da sein müsste. Sorgsams stellen sich überhaupt oft die Frage, „was wäre, wenn …. ?“. Sie denken also über Risiken und deren Folgen nach.

Gemäss Obligationenrecht Artikel 663b Ziff. 12 haben Unternehmer die Pflicht, Risikobeurteilungen durchzuführen und zu dokumentieren. Ohne hier näher auf die gesetzlichen Bestimmungen einzugehen, soll aufgezeigt werden, dass die systematische Durchführung von Risikobeurteilungen auch ohne Gesetzeszwang und in allen Lebenslagen Sinn macht. Analysieren wir deshalb einige Risiken und halten mögliche Auswirkungen auf die Familie Sorgsam und ihr Unternehmen fest.

Private Risiken

Geschäftliche Risiken

Mögliche Folgen

Ausfall eines Elternteiles (Unfall, Burnout, etc.)

Ausfall Firmenoberhaupt oder eines wichtigen Mitarbeiters

-     Know-how Verlust

-     Führungslosigkeit

-     Finanzieller Ruin

Velos der Kinder sind nicht sicher / Der Helm wird nicht getragen

Fahrzeuge sind nicht gewartet, Versicherungen nicht vorhanden

-     Tod/Invalidität

-     Haftung, Schadenersatz

 

Flughafen gesperrt, teure Reise kann nicht angetreten werden

Flughafen gesperrt, wichtiger Auftrag kann nicht ausgeführt werden

-     Rechtsstreit

-     Liquiditätsverlust

Chlor für das Schwimmbad wird falsch aufbewahrt oder entsorgt

Lösungsmittel werden falsch verwendet oder entsorgt

-     Umweltverschmutzung

-     Unfall, Haftung

-     Rufschädigung

Es wird zu zuviel Geld für Ferien ausgegeben

Ein grosser Kunde kann seine Rechnungen nicht bezahlen

-     Liquiditätsengpässe

-     Geschäftskonkurs und/oder privater Ruin 

Auslegeordnung mit allen Beteiligten

Schmerzliche Erfahrungen haben Sorgsams gelehrt, sich über derartige Risiken und ihre Folgen Gedanken zu machen. Sie wissen, dass sich Risiken verändern und sehen die Überprüfung als laufende Aufgabe. Mindestens einmal jährlich aber nehmen sie sich zudem Zeit für eine gemeinsame Auslegeordnung. Dabei versuchen sie offen zu sein und beziehen soweit sinnvoll Mitarbeiter und Kinder in den Prozess ein. Über konkrete Ängste wie den fehlenden Helm diskutieren und analysieren sie z.B. den Alltag der Familie auf mögliche Gefahren hin.

Frau Sorgsam kennt den Unterschied zwischen leichter und grober Fahrlässigkeit. Touchiert der Mitarbeiter mit dem Auto einen Randstein und die gesicherte Last beschädigt den Anhänger, wird man sich sagen „das kann passieren“. Fällt aber die Last auf die Strasse und verletzt jemanden schwer, wird die Frage kommen „wie konntest Du nur vergessen, die Last besser zu sichern?“ (grobfährlässig). Diese Frage ist wichtig für die rechtliche Beurteilung des Fehlverhaltens und damit natürlich auch für die Gewichtung von Risiken. Risiken können aber genauso wie der Aschenwurf eines Vulkans in der Entstehung unbeeinflussbar sein. Kann ein grosser Kunde seine Rechnungen plötzlich nicht mehr bezahlen, hat das für das Unternehmen möglicherweise existentielle Konsequenzen. Einfluss kann man aber nur nehmen, indem man versucht, die Folgen zu mildern.

Skepsis und Zurückhaltung

Unsere Erfahrungen als Wirtschaftsprüfer zeigen, dass systematische Risikobeurteilungen von Unternehmern oft skeptisch angegangen werden. Wird vernünftig (adäquat) vorgegangen und werden die richtigen Personen in den Prozess einbezogen, verschwindet die Skepsis aber oft schnell. Der eingangs erwähnte Gesetzesartikel im Obligationenrecht hat primär finanzielle Risiken im Fokus. Risikobeurteilungen sollten aber grundsätzlich auf der „grünen Wiese“, brainstormingartig gestartet werden. Mögliche Folgen, finanzieller oder anderer Natur, sollten erst in einer zweiten Phase tiefer beurteilt werden. Aufgrund von Risikobeurteilungen werden oft auch Chancen erkannt. Ein konsequentes Mahnwesen z.B. „erzieht“ die Kundschaft, so dass Mitarbeiter des Mahnwesens auch für andere Aufgaben eingesetzt werden können.

Es gibt viele Hilfsmittel für die Durchführung von Risikobeurteilungen, Herr und Frau Sorgsam haben etwas eigenes gestaltet. Denn egal was man verwendet, viel wichtiger ist ein Risikomanagement. Nur aufschreiben nützt nichts. Es ist auch festzulegen, wer bis wann welche Massnahmen trifft und wer die Umsetzung des Massnahmenplanes kontrolliert.

Und die Konsequenz?

Die Familie Sorgsam hat ihre Hausaufgaben gemacht. Gehen wir zurück zur Asche des isländischen Vulkans. Wer hätte gedacht, dass ihretwegen plötzlich Generalversammlungen abgesagt werden müssen, weil wichtige Teilnehmer auf Flughäfen festsitzen ? Das erscheint noch tragbar. Was für existentielle Fragen werden sich derzeit aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie Lieferanten von europäischen Fluggesellschaften stellen?

Es ist davon auszugehen, dass die Launen des Vulkans Aufnahme in den Risikokatalog aller europäischen Fluggesellschaften finden werden. Die Verantwortlichen werden sich die Frage „droht wieder Asche vom Eyjafjallajökull?“ künftig häufiger stellen. Bei einem erneuten Ausbruch wäre der Massnahmenplan aber bereit und der bestmögliche Umgang mit den Folgen dieses Naturspektakels sichergestellt.