Region Basel / Beiträge 2013
  
 

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Stefan Inderbinen



dipl. Wirtschaftsprüfer
dipl. Pensionskassenleiter
Direktor KPMG AG
Mitglied der Treuhand-Kammer
stefaninderbinen@kpmg.com 
 

 


    

 


Die Verantwortung des Pensionskassen-Stiftungsrats
Nachfragen schafft Klarheit

Die BVG-Strukturreform hat die Anforderungen an die verantwortlichen Organe einer Pensionskasse weiter erhöht. Als Stiftungsrat ist man noch mehr gefordert. Wie weit reichen die Verantwortlichkeiten? Wie kann man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen? Zu welchen wichtigen Fragen muss es eine Antwort geben?

Mit der BVG-Strukturreform wurden die unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben für das oberste Stiftungsorgan einer Pensionskasse – in der Regel der Stiftungsrat - in das Gesetz aufgenommen. Die Aufstellung zeigt deutlich, welche Aufgaben ihm zufallen und wie gross die Verantwortung des Stiftungsrates ist:

  • Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben

  • Bestimmung der strategischen Ziele und Grundsätze sowie Festlegung der Organisation

  • Überwachung der Geschäftsführung

  • Festlegung des Finanzierungssystems

  • Festlegung von Leistungszielen und Vorsorgeplänen sowie der Grundsätze für die Verwendung der freien Mittel

  • Erlass und Änderung von Reglementen

  • Erstellung und Genehmigung der Jahresrechnung

  • Festlegung der Höhe des technischen Zinssatzes und der übrigen technischen Grundlagen

  • Festlegung der Organisation

  • Ausgestaltung des Rechnungswesens

  • Bestimmung des Versichertenkreises und Sicherstellung ihrer Information

  • Sicherstellung der Erstausbildung und Weiterbildung der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter

  • Ernennung und Abberufung der mit der Geschäftsführung betrauten Personen

  • Wahl und Abberufung des Experten für berufliche Vorsorge und der Revisionsstelle

  • Entscheid über die ganze oder teilweise Rückdeckung der Vorsorgeeinrichtung und über den allfälligen Rückversicherer

  • Festlegung der Ziele und der Grundsätze der Vermögensverwaltung sowie der Durchführung und Überwachung des Anlageprozesses

  • Periodische Überprüfung der mittel- und langfristigen Übereinstimmung zwischen der Anlage des Vermögens und den Verpflichtungen

  • Festlegung der Voraussetzungen für den Rückkauf von Leistungen.
     

Das ist eine geballte Ladung von Aufgaben. Aber selbstverständlich muss der Stiftungsrat nicht alles selbst machen. Die Vorbereitung und die Ausführung von Beschlüssen oder die Überwachung von Geschäften kann an Ausschüsse oder einzelne Mitglieder delegiert werden. Aber es muss eine angemessene Berichterstattung an sämtliche Mitglieder des Stiftungsrates sichergestellt werden.

Am Schluss bleibt die Verantwortung jedoch beim Stiftungsrat. Und weil das so ist, muss sich jeder Stiftungsrat die richtigen Fragen stellen. Nur so wird er seiner Verantwortung gerecht.

Welche Fragen muss sich der Stiftungsrat stellen?

Die nachstehenden Fragen erscheinen im ersten Moment vielleicht banal. Aber sie sind wirkungsvoll. Es ist nur eine Auswahl und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Bietet die Geschäftsführung (insbesondere bei Delegation der Geschäftsführung an eine Drittfirma) Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit?

  • Ist die Pensionskasse ihrer Grösse entsprechend organisiert, sind die Aufgaben und die Verantwortlichkeiten klar zugeteilt?

  • Bestehen Anlagen beim Arbeitgeber? Ist die Bonität des Arbeitgebers zweifelsfrei und sind die Konditionen marktkonform?

  • Wird die Aus- und Weiterbildung in der Pensionskasse gefördert und gefordert? Auch jene der Stiftungsräte?

  • Erfolgt die Überweisung der reglementarischen Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber fristgerecht?

  • Entspricht die Verzinsung der Arbeitgeberbeitragsreserve den Vorschriften?

  • Wie lautet das Ergebnis der letzten versicherungstechnischen Bilanz und welche Massnahmen sind gegebenenfalls vorgesehen?

  • Werden die Hinterlassenen- und Invalidenrenten periodisch der Teuerung angepasst?

  • Werden periodisch Lebensbescheinigungen von Rentnern eingeholt?

  • Werden bei Leistungsverbesserungen alle Destinatäre (Aktive und Rentner) gleichermassen berücksichtigt?

  • Haben wir Klarheit über die Vorgaben zur Integrität und Loyalität der Verantwortlichen?

  • Werden die einzelnen Vermögensverwalter periodisch überprüft?

  • Wurden die möglichen Interessenskonflikte bei der Geschäftsführung und der Vermögensverwaltung abgeklärt?

  • Werden bei den Anlagen die Risikofähigkeit der Vorsorgeeinrichtung und die angemessene Risikoverteilung berücksichtigt?

  • Verstehe ich, was für Vermögensanlagen getätigt werden und welche Chancen und Risiken mit diesen Anlageprodukten verbunden sind?

  • Werden die Anlageentscheide transparent und nachvollziehbar von den Verantwortlichen erklärt?

  • Wurde die Situation in Sachen Retrozessionen abgeklärt?

  • Wurden die Rechtsgeschäfte mit Nahestehenden überprüft?

  • Sind die Reglemente (Organisationsreglement, Anlagereglement) auf dem neuesten Stand?

  • Werden die Versicherten angemessen informiert?

Nehmen wir die Verantwortung in Bezug auf die Ausgestaltung, Implementierung und Aufrechterhaltung der internen Kontrolle ausreichend wahr?


Empfehlungen an die Stiftungsräte

Trotz aller Reglemente und Vorschriften darf auch der gesunde Menschenverstand eingesetzt werden. Der Stiftungsrat soll verstehen, welchen finanziellen und versicherungstechnischen Risiken die Vorsorgeeinrichtung ausgesetzt ist. Er muss nachvollziehen können, was für Anlagen getätigt werden oder weshalb sich allenfalls die technischen Rückstellungen verändert haben. Wenn es die Spezialisten (Geschäftsführer, Vermögensverwalter, Experte für berufliche Vorsorge, Revisionsstelle) nicht verständlich erklären können, dann lohnt es sich, darüber nachzudenken und kritische Fragen zu stellen. Man kann als Stiftungsrat nicht alles wissen. Aber man hat als Stiftungsrat die Verpflichtung, sich weiterzubilden und kritische Fragen zu stellen. Damit der Sitz im Stiftungsrat nicht zum Schleudersitz wird.