Region Basel / Beiträge 2014
  
 

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Roland Stoffel



Betriebsökonom FH, dipl. Wirtschaftsprüfer
zugelassener Revisionsexperte
Partner/Niederlassungsleiter BDO AG, Basel
Mitglied der Treuhand-Kammer
Email: roland.stoffel@bdo.ch
 

 

 

    

 
 

Steuerliche Auswirkungen des neuen Rechnungslegungsgesetzes

Mehr Klarheit, weniger Spielraum

Das neue Rechnungslegungsgesetz ist seit letztem Jahr in Kraft, die zwingende Anwendung folgt 2015. Grundsätzlich soll es steuerneutral wirken, führt aber zu bedeutenden Neuerungen. Der wünschenswerte Zuwachs an Klarheit bedingt auch eine Verminderung an Flexibilität in der Umsetzung.

Das neue Rechnungslegungsgesetz  (32. Titel des OR) ist per 1.1.2013 in Kraft getreten. Es ist nicht mehr an die Rechtsform einer Unternehmung gebunden und sieht Erleichterungen für Kleinstunternehmungen, Vereine und Stiftungen vor. Zu Beginn des Gesetzgebungsprozesses wurde noch darüber verhandelt, ob das neue Rechnungslegungsrecht (nRLG) zu einer Bilanzierung nach "true and fair view" führen soll, womit die stillen Reserven verunmöglicht würden. Man ist dann aber in den politischen Gremien zum Schluss gekommen, dass das nRLG steuerneutral sein soll und die stillen Reserven weiterhin zulässig sind. Sowohl Bundesrat als auch Parlament haben mehrmals bekräftigt, dass das nRLG zu keiner steuerlichen Mehrbelastung führen soll. Die folgenden neuen Bestimmungen dürften dennoch zu  Veränderungen bezüglich der Besteuerung führen.

Aktivierungspflicht von noch nicht fakturierten Dienstleistungen

Zahlreiche KMU und insbesondere Dienstleistungsunternehmen haben in der Vergangenheit darauf verzichtet, die noch nicht fakturierten Dienstleistungen detailliert zu erheben und zu bilanzieren. Der Verzicht erfolgte aufgrund des Vorsichtsprinzips oder ganz einfach, um den damit verbundenen administrativen Aufwand zu vermeiden. Das neue Gesetz sieht nun in Art. 959 OR explizit eine Pflicht zur Aktivierung von vorhandenen Vorräten und nicht fakturierten Dienstleistungen vor. Art. 959 Abs. 2 OR präzisiert weiter, dass Vermögenswerte bilanziert werden müssen, wenn aufgrund vergangener Ereignisse über sie verfügt werden kann,  ein zukünftiger Mittelzufluss wahrscheinlich ist und ihr Wert verlässlich geschätzt werden kann. Die Möglichkeiten zur Haltung von stillen Reserven aufgrund des Vorsichtsprinzips dürften in diesem Bereich deshalb künftig etwas kleiner werden und die erstmalige Aktivierung entsprechender Aktiven einen einmaligen Besteuerungseffekt auslösen.

Zeitliche und sachliche Abgrenzung

Neu wird in Art. 958b OR verlangt, dass Aufwände und Erträge voneinander in zeitlicher und sachlicher Hinsicht abgegrenzt werden müssen. Es gilt also nicht nur die Passivierungspflicht nach dem gewohnten Vorsichtsprinzip sondern auch die explizite Pflicht, Vorauszahlungen und Vorausleistungen im Sinne einer aktiven Rechnungsabgrenzung vollständig zu aktivieren. Auf die zeitlichen Abgrenzungen kann eine juristische Person lediglich verzichten, sofern der Jahresumsatz die Summe von 100'000 Franken nicht überschreitet.

Grundsatz der Einzelbewertung

Neu gilt gemäss Art. 960 OR, dass Aktiven und Verbindlichkeiten in der Regel einzeln bewertet werden, sofern sie wesentlich sind und aufgrund ihrer Gleichartigkeit für die Bewertung nicht üblicherweise als Gruppe zusammengefasst werden. Dies bedeutet konkret, dass Immobilien und Beteiligungen einzeln zu bewerten sind. In der Konsequenz wird dies dazu führen, dass vereinzelte Liegenschaften oder Beteiligungen nach dem Übergang zur neuen Rechnungslegung abgeschrieben werden müssen, da deren Minderwerte nicht mehr mit den Mehrwerten auf anderen Liegenschaften oder Beteiligungen verrechnet werden dürfen. Die zusätzlichen Abschreibungen werden entsprechend steuerwirksam zum Zeitpunkt der Umstellung auf die Vorschriften des nRLG.

Unterscheidung Abschreibungen und Wertberichtigungen

Die nutzungs- und altersbedingten Wertverluste eines Anlagegutes werden wie bisher durch planmässige Abschreibungen berücksichtigt. Die anderweitigen Wertverluste z.B. durch tiefere Marktpreise, müssen gemäss Art. 960a Abs. 3 OR neu zwingend in Form von Wertberichtigungen vorgenommen werden. Dabei ist davon auszugehen, dass die Wertberichtigungen von den Steuerbehörden als provisorische Wertberichtigung betrachtet werden, welche steuerlich wieder aufgerechnet werden, sobald die Notwendigkeit der Wertberichtigung nicht mehr gegeben ist.

Das neue Rechnungslegungsgesetz hat sicher zusätzliche Klarheit geschaffen. Die Freiräume bei der Buchführung sind allerdings entsprechend reduziert worden. Die entsprechenden Veränderungen bei der Besteuerung werden sich erst in den nächsten Jahren in allen Details zeigen.