Region Basel / Beiträge 2015
  
 

                                           Home  |  Archiv | Treuhand-Kammer



 

Silvio Disanto



Senior Manager Private Clients & Corporate Tax
PricewaterhouseCoopers, Basel
E-Mail: silvio.disanto@ch.pwc.com

 

 

 

    

 

Home-Office im In- und Ausland

Mehr als ein Bürowechsel

In der modernen Arbeitswelt mit ihren vielfältigen Kommunikationsmitteln und flexiblen Arbeitszeitmodellen erbringen Arbeitnehmer vermehrt einen Teil ihrer Arbeit zu Hause. Was gilt es beim „Home-Office“ zu beachten?

 

 
 

Mit einer Tätigkeit im Home-Office verändern sich die für die Berufsausübung notwendigen Auslagen. Wird Home-Office vereinbart, weil kein adäquater Arbeitsplatz zur Verfügung steht, so ist unter gewissen Voraussetzungen ein steuerlicher Abzug für ein Arbeitszimmer möglich. Im Kanton Basel-Stadt wird dieser gemäss der Wegleitung zur Steuererklärung wie folgt berechnet: Mietzins ohne Nebenkosten bzw. Eigenmietwert geteilt durch Anzahl Zimmer. Befindet sich das Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung, so sind drei Viertel der nach der Formel errechneten Kosten abziehbar.

Übernimmt der Arbeitgeber diese Kosten oder zumindest einen Teil davon, so ist dies beim Arbeitszimmerabzug in der privaten Steuererklärung entsprechend zu berücksichtigen. Auslagen für einen Computer oder dergleichen werden eher nicht oder allenfalls nur teilweise zum Abzug zugelassen. Es wird dabei argumentiert, dass diese Kosten auch ohne eine Home-Office-Tätigkeit angefallen wären und daher nicht ausschliesslich der Erzielung von Erwerbseinkommen dienen.

Home-Office-Kosten, die in Folge einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusätzlich anfallen, sind aufgrund der restriktiven Praxen der Steuerverwaltungen grundsätzlich nicht abziehbar.

Arbeitsweg und Verpflegung

Dank Home-Office können Kosten in Bezug auf den Arbeitsweg und für die auswärtige Verpflegung eingespart werden. Diese Einsparung muss in der privaten Steuererklärung berücksichtigt werden – d.h. diese Arbeitstage reduzieren die möglichen Berufsauslagen-Abzüge. In Bezug auf die per 1. Januar 2016 auf Bundesebene einzuführende Begrenzung des „Pendlerabzugs“ auf maximal 3000 Franken jährlich kann eine Home-Office-Tätigkeit für all diejenigen, die mit dem privaten Auto zur Arbeit fahren, zu einem Kostenvorteil führen. Den Kantonen steht es frei, eine solche Limitierung einzuführen. Der Kanton Basel-Stadt wird per 1. Januar 2016 die Bundesregelung auf Kantonsebene übernehmen. U-Abo- oder GA-Benützer können dagegen mit einer Home-Office-Tätigkeit keine Kosten einsparen.

Home-Office im Ausland

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz im Ausland, so ist für die Abzugsfähigkeit der Home-Office-bedingten Auslagen das entsprechende ausländische Steuerrecht massgebend.

Besondere Beachtung verdient das Sozialversicherungsrecht, wenn der Arbeitnehmer mindestens 25 Prozent seiner Arbeitszeit im Home-Office an seinem ausländischen Wohnort verbringt. In diesem Fall ist das entsprechende Einkommen nicht mehr dem Schweizer Sozialversicherungssystem unterstellt, sondern demjenigen des Wohnortes des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber muss die Sozialversicherungsabgaben nach dem jeweiligen ausländischen Recht für den Arbeitnehmer entrichten. Für den Arbeitnehmer kann dies unter Umständen eine Schlechterstellung bedeuten. Für den Arbeitgeber ist die Entrichtung der Sozialversicherungsbeiträge nach ausländischem Recht mit erhöhten administrativen Umtrieben (Registrierung im Ausland, Korrespondenz mit ausländischen Behörden etc.) und je nach dem mit höheren Arbeitgeberbeiträgen verbunden.

Steuerpflicht im Ausland

Die Home-Office-Tätigkeit des Arbeitnehmers kann im Einzelfall auch dazu führen, dass der Schweizer Arbeitgeber am ausländischen Wohnort des Arbeitnehmers eine Steuerpflicht begründet. Dies, weil der ausländische Fiskus das Home-Office als feste Geschäftseinrichtung (im Fachjargon: „Betriebsstätte“) des Arbeitgebers qualifizieren kann. Dieses Risiko besteht insbesondere, wenn die Home-Office-Tätigkeit des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber vorgeschrieben wird oder der Arbeitnehmer von seinem Home-Office aus seinen Arbeitgeber nach aussen offiziell vertritt. Zu nennen sind z.B. Kundentelefonate, Kundenmeetings, Erstellen und Abschliessen von Verträgen, Hinweis auf die Home-Office-Adresse auf der Visitenkarte.

Weiter kann, je nach Umfang der Home-Office-Tätigkeit, ausländisches Arbeitsrecht zur Anwendung gelangen. Ferner istt es unter Umständen erforderlich, auch Bestimmungen zum ausländischen Datenschutz zu berücksichtigen.

Fazit: Eine Home-Office-Tätigkeit kann attraktiv sein, doch gilt es, die steuerlichen, sozialversicherungsrechtlichen und weiteren rechtlichen Auswirkungen zu beachten.