Region Basel / Beiträge 2015

 

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Stefan Inderbinen



 

dipl. Wirtschaftsprüfer

dipl. Pensionskassenleiter

Direktor KPMG AG

Mitglied der Treuhand-Kammer

stefaninderbinen@kpmg.com   

 

 

    

  Teilzeitarbeit und BVG

Vorsicht Vorsorgelücken

 

 
 

Wer Teilzeit arbeitet, sollte sich besonders um seine 2. Säule kümmern. Viele Arbeitnehmer sind sich nicht bewusst, welche Auswirkung Teilzeitarbeit für auf ihre Vorsorge hat. Die Folge sind in häufig schmerzhafte Vorsorgelücken.  

In der Schweiz hat die Teilzeitarbeit in den letzten zwei Jahrzehnten stetig zugenommen, sowohl bei den erwerbstätigen Frauen wie auch bei den Männern. Im Jahr 2013 arbeiteten 58 Prozent der Frauen und rund 15 Prozent der Männer in Teilzeit. Von den teilzeitbeschäftigten Frauen wiesen mehr als die Hälfte einen Beschäftigungsgrad zwischen 50 und 89 Prozent auf,  rund zwei Fünftel einen von unter 50 Prozent. Bei den teilzeitbeschäftigten Männern waren es rund zwei Drittel mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 und 89 Prozent und rund ein Drittel mit einem Beschäftigungsgrad von unter 50 Prozent.

Teilzeitbeschäftigung und Koordinationsabzug

In der obligatorischen BVG-Versicherung sieht der Gesetzgeber vor, dass der Bruttolohn für die Berechnung des Pensionskassebeitrags um den fixen Koordinationsabzug von 24‘675 Franken gekürzt werden kann. Dieser Teil des Einkommens ist grundsätzlich bereits über die erste Säule, also durch AHV und IV, genügend abgedeckt und muss nicht zwingend auch noch im BVG versichert werden; deshalb der Begriff Koordinationsabzug.

Bei einem 100-Prozent-Jahreslohn von 70‘000 Franken beträgt der versicherte BVG-Lohn demnach 45‘325 Franken. Bei einer 50 Prozent-Teilzeitbeschäftigung und einem Bruttolohn von 35‘000 Franken sinkt der versicherte BVG-Lohn auf 10‘325 Franken (35‘000 Franken abzüglich Koordinationsabzug von 24‘675 Franken).

Aus dieser Berechnung ist ersichtlich, dass sich bei einem Wechsel von einer Vollzeitbeschäftigung in eine Teilzeitbeschäftigung von 50 Prozent die Pensionskassenleistungen nicht nur um die Hälfte, sondern möglicherweise um drei Viertel reduzieren können. Dies betrifft sowohl die Altersrente, wie auch eine allfällige Invaliden- oder Hinterbliebenenrente.

Es ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, dass der Koordinationsabzug bei Teilzeitbeschäftigten dem Prozentsatz ihrer Anstellung entsprechen muss. Die Pensionskasse kann in ihrem Reglement jedoch vorsehen, anstatt den fixen Koordinationsabzug einen Abzug, der sich proportional dem Arbeitspensum anpasst oder (für alle Versicherten) gar keinen Koordinationsabzug anzuwenden. Das BVG enthält diesbezüglich lediglich Mindestvorschriften. Die Kassen können jederzeit bessere Leistungen erbringen. Bevor man einen Teilzeitjob annimmt sollte man deshalb abklären, welche Regelung die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers aufweist und wie sich das auf die persönliche Vorsorgesituation auswirkt.                                                                                                                                                               

Verschiedene Teilzeitjobs 

Wenn jemand verschiedene Teilzeitjobs ausübt, aber bei keinem dieser Jobs den BVG-Mindestlohn von 21‘150 Franken erreicht, muss der Versicherte eine Gesamtrechnung anstellen. Wenn der Gesamtbetrag aller Einkommen über dem BVG-Mindestlohn liegt, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Versicherte kann sich entweder bei der BVG-Auffangeinrichtung oder bei der angeschlossenen Vorsorgeeinrichtung freiwillig versichern lassen, sofern deren reglementarische Bestimmungen es vorsehen. Ist eine Person für einen ihrer Löhne bereits bei einer Vorsorgeeinrichtung obligatorisch versichert, kann sie den zusätzlich erzielten Lohn ebenfalls bei dieser Vorsorgeeinrichtung versichern lassen – wiederum falls es das Reglement vorsieht – oder sich der BVG-Auffangeinrichtung anschliessen.  

Empfehlungen an die Versicherten 

Wie erwähnt ist es wichtig, vor Annahme einer Teilzeitbeschäftigung abzuklären, wie die Pensionskasse des zukünftigen Arbeitgebers den Koordinationsabzug regelt. Bei mehreren Teilzeitbeschäftigungen muss man eine Gesamtbetrachtung vornehmen und die Möglichkeiten der freiwilligen Versicherung prüfen.  

Als weitere Massnahmen zur Verbesserung der persönlichen Vorsorgesituation ist auf die Möglichkeit der jährlichen Einzahlung in die Säule 3a zu verweisen; Maximalbetrag aktuell 6‘768 Franken. Zudem sollte der Versicherte bei der Vorsorgeeinrichtung abklären, wie hoch der mögliche Pensionskasseneinkauf ist, um freiwillige Einzahlungen zu tätigen. Beide Einzahlungen können vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden.

 

Ergänzende Infos