Region Basel / Beiträge 2015
  
 

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Nicolas Streicher


WIRTSCHAFTS-TREUHAND AG
Dipl. Wirtschaftsprüfer
Zugelassener Revisionsexperte

Mitglied EXPERTsuisse

E-Mail: nicolas.streicher@wirtschafts-treuhand.ch

 

 

 

    

  Unternehmensnachfolge bei KMU

Stolpersteine auf dem Weg zum Verkauf


 

 
 

Die Regelung der Unternehmensnachfolge durch einen Verkauf hat emotionale und wirtschaftliche Aspekte. Es handelt sich insgesamt um einen anspruchsvollen Vorgang, der Zeit braucht und die Abklärung zahlreicher Fragen voraussetzt.

Die Schweiz lebt von den kleinen und mittleren Unternehmen. Sie machen 99 Prozent aller Betriebe aus und beschäftigen zwei Drittel aller Erwerbstätigen. Eine Studie der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2013 besagt, dass jedes vierte Unternehmen in der Schweiz in den nächsten fünf Jahren vor einem Generationenwechsel steht.

Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Wechsel bildet der Wille und die Bereitschaft zur Abgabe des „Lebenswerks“ und die Aufgabe alter Gewohnheiten. Zudem ist eine Unternehmensübergabe häufig ein langwieriger und intensiver Prozess. Es gilt den richtigen Zeitpunkt für den Projektstart nicht zu verpassen. Bei überhasteten Nachfolgelösungen ist der Verkäufer tendenziell in einer schwächeren Position. Dies hat schlussendlich auch Einfluss auf den Preis. Ist der Entschluss gefasst, hilft ein Zeitplan zur Kontrolle der Meilensteine.

Fitmachen des Unternehmens

Altlasten, intransparente Kostenstrukturen und schwerfällige Bilanzen bilden Hindernisse auf diesem Weg. Diese sind vorgängig zu bereinigen. Die eigene Firma als Altersvorsorge zu betrachten ist durchaus zulässig. Es ist jedoch zu bedenken, dass bei Kapitalgesellschaften ein hohes Eigenkapital den Preis erhöht und eine Nachfolgeregelung erschweren kann. Zur Reduktion können vorgängig Dividendenausschüttungen, steuerfreie Nennwertreduktionen oder Kapitalreserverückzahlungen vorgenommen werden.

Auch bei der Unternehmensnachfolge ist die Rechtsform von entscheidender Bedeutung, insbesondere für die steuerlichen Konsequenzen. Der Verkauf von Aktien im Privatbesitz gilt in der Regel als steuerfreier Kapitalgewinn. Bei Personengesellschaften hingegen werden die realisierten stillen Reserven besteuert. Im Sinne des Vorsorgecharakters werden diese ab vollendetem 55. Lebensjahr jedoch wiederum privilegiert behandelt.

 Ein vorgängiger Rechtsformwechsel ist für dessen steuerliche Gültigkeit wiederum an Fristen gebunden. Je nach Situation ist es ratsam die steuerlichen Folgen vorgängig mit der Steuerverwaltung in einem Ruling schriftlich festzuhalten.

Due-Diligence-Prüfung

Eine systematische Prüfung der Stärken und Schwächen sowie des Wertes des Unternehmens ist zwingend notwendig. Dies gilt für Käufer und Verkäufer. Bei Unternehmensbewertungen werden unterschiedliche Methoden eingesetzt. Diese führen entsprechend auch zu verschiedenen Werten. Die Ergebnisse der (Modell-) Rechnungen müssen interpretiert und analysiert werden und geben lediglich einen Rahmen für die Preisvorstellung. Von Bedeutung ist ebenso, dass bei vielen KMUs der Eigentümer selber einen nicht messbaren Wert darstellt und sich die Beziehungen zu Lieferanten und Kunden nicht beliebig ersetzen lassen.

Es ist davon auszugehen, dass ein Grossteil der Käufer auf externe Geldgeber angewiesen ist. Die entstehenden Schulden und Schuldzinsen müssen mit künftigen Geldflüssen refinanziert werden. Notwendig sind für die Kreditgewährung deshalb verlässliche und glaubwürdige Businesspläne.

Wissenstransfer

Die Einarbeitung und Kompetenzbildung des neuen Eigentümers benötigt Zeit. Ebenso sollte die Stellung und die Verweildauer des alten Eigentümers nach dem Verkauf in der Unternehmung geregelt werden. Lösungsansätze sind eine gestaffelte Übergabe von Eigentum und Führung. Bei einer Kapitalgesellschaft beispielsweise kann der Verkäufer weiterhin im Aufsichtsgremium verbleiben. Dies hat auch eine Signalwirkung nach aussen.

Während den Verhandlungen ist Verschwiegenheit angebracht. Gerüchte und Halbwahrheiten führen zu Unsicherheit. Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe kommt jedoch unwiderruflich. Interne und externe Stellen sind zu informieren. Es besteht die Gefahr, dass Lieferanten, Mitarbeitende oder Kunden durch die Änderung der langjährigen Beziehung abspringen. Letztlich ein grosses Risiko für den Käufer. Hat er doch in den Kundestamm investiert und rechnet massgeblich mit dessen Umsätzen.

Je nach Verlauf der Verkaufsverhandlungen sollte sich der Verkäufer im Sinne einer Selbstreflexion die Frage stellen, ob ein Verkauf überhaupt noch sinnvoll ist. Erzielt man mit einer Liquidation am Ende gar den gleichen Erlös, kann man sich den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Unternehmensnachfolge sparen.

Die eigene Firma ist für viele Schweizer Unternehmer das Lebenswerk – die Nachfolgeregelung ist eine Herzensangelegenheit. Unabdingbar sind die rechtzeitige Planung, der Abbau innerer Wiederstände, das Fitmachen des Unternehmens, gegenseitiges Vertrauen sowie der Rat externer Spezialisten. Und nicht zuletzt: jede Unternehmensnachfolge ist ein Einzelfall. Patentlösungen existieren nicht.